Eltern & Pädagogen: Redet mit Euren Kindern über Social Media!

Von: Marsali Hancock

Noch nie in der Geschichte der Menschheit hatten Teenager so viele Möglichkeiten im Hinblick darauf, was sie sehen und erfahren, und wie und mit wem sie es teilen. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen hatten zum Ende des Jahres 2014 mehr als 3 Milliarden Menschen Zugang zum Internet. Diese Plattform ist das Zuhause von Social Media, und die Teenager von heute kennen es gar nicht anders. Genauso wie wir uns ein Leben ohne Elektrizität, Auto oder Telefon nicht vorstellen können, können sich auch Teenager keine Freundschaft oder menschliche Interaktion ohne Social Media vorstellen. Social Media ermöglichen es ihnen, sich auszudrücken und mit anderen emotionale Verbindungen einzugehen. Aus diesem Grund ist es dafür zu sorgen, dass die Jugend darauf vorbereitet wird, in ihrer digitalen Kultur zu wachsen und zu gedeihen – eine der wichtigsten Aufgaben, die es für uns als Eltern und Pädagogen heute gibt.

Das wurde mir als Elternteil mehr als deutlich bewusst, als das Facebook-Profil meiner 16 jährigen Tochter gehackt wurde. Als sie zu mir kam, mit meinem Laptop auf dem Arm, aschfahl im Gesicht und sichtbar verstört, ging ich vom Schlimmsten aus. Ich dachte, dass eine ihrer Freundinnen bei einem Autounfall gestorben sein müsse oder dass deren Eltern unerwartet verstorben seien. Ich war regelrecht perplex, als ich verstand, dass ihr Schmerz und der Schock durch einen Spammer verursacht worden waren. Ihr Account war gehackt worden und ein unbekannter Cyber-Hijacker hatte von ihrem Profil aus Nachrichten versendet. Was sie am meisten betroffen machte, waren die Kommentare ihrer Freunde, für alle sichtbar, die sie nicht mehr kontrollieren oder beantworten konnte. Es war, als ob ihr der Himmel auf den Kopf gefallen und das Ende der Welt gekommen wäre. Ich habe dabei gelernt, dass das Interagieren auf sozialen Netzwerken für meine Tochter nicht nur der Unterhaltung oder dem Zeitvertreib diente, sondern vielmehr ein integraler Bestandteil ihres Wohlbefindens war. Social Media waren eine kritische Verbindung zu ihrem gleichaltrigen Freundeskreis. Als wir dann beide so dasaßen, entdeckten wir die Funktion „Missbrauch melden“ und reichten eine Meldung ein. Innerhalb einer Stunde erhielt sie wieder Zugang zu ihrem Profil und konnte die missverstandenen Nachrichten korrigieren. Diese Erfahrung war gleich einem Paradigmenwechsel für mich. Das war der Moment, als ich verstand, dass Eltern und Pädagogen erreichbar und hilfsbereit sein müssen.

Das Internet, unsere Gesellschaft und die Social Media haben sich so ineinander verzahnt, dass es beinahe unmöglich ist, einen jungen Menschen davon zu trennen, ohne dass er von seiner Gemeinschaft als ganzes getrennt wird. Eine solche Ausgrenzung könnte schwere emotionale Konsequenzen für Teenager haben, bis hin zur Isolation. Sogar in der Schule! Jeden Morgen treffen die Schüler ein und ihre mentale, physische und emotionale Verfassung steht noch immer unter dem Einfluss der digitalen Interaktionen vom Vortag. Den ganzen Tag über führen sie ihre Interaktion miteinander über das Internet fort. Sogar wenn die Nutzung Sozialer Netzwerke auf dem Schulgelände verboten ist, wird dieses Verbot oft genug mit Smartphones und anderen mobilen Endgeräten umgangen. Aus diesem Grund müssen sich auch die Schulen proaktiv mit dem digitalen Leben ihrer Schüler auseinandersetzen und für deren digitale Probleme vorbereitet sein.

Der größte Unterschied im Vergleich, wie die heutigen Kinder aufwachsen und wie wir aufwuchsen, ist, dass sie ihre eigenen digitalen Erfahrungen steuern. Sie bekommen ihre Medien nicht von ein paar Verantwortlichen ausgeteilt, die die Macht haben, vorselektierte Masseninhalte zu kreieren, zu vermarkten und zu verbreiten. Wenn Teenager Social Media nutzen, dann wollen Sie teilhaben, gehört, gesehen und bestätigt werden. Sie sammeln Web-Bilder und stellen umfangreiche Fotogalerien zusammen, um die Fotos zu pinnen und zu teilen. Sie schreien ihre Fragen hinaus in das „Internet-Universum“ und erwarten Antworten darauf. Sie veröffentlichen einzigartige Inhalte und Playlists und posten Kommentare. Sie arbeiten in Online-Communitys zusammen, um zu programmieren, Geschichten zu schreiben, Videos zu teilen und an Kunst und Musik mitzuwirken. Sie spielen komplizierte soziale Spiele, in denen man Mitglied einer Gilde oder eines Teams sein muss, um mitmachen zu können. Sie bewerten und kommentieren alles: von den Lehrern und den Schulen bis hin zu Filmen und örtlichen Treffpunkten. Um es auf den Punkt zu bringen: Teenager posten, teilen, twittern, pinnen und spielen mit einem potentiell globalen Publikum. Das birgt gleichzeitig eine potenzielle Verantwortung aber auch eine große Chance in sich. Eine einzelne Stimme wird verstärkt und bekommt die Macht, positiven oder negativen Einfluss auf reale Menschen und reale Leben zu haben.

Uns Eltern und Pädagogen erlegen diese Orte die große Verantwortung auf, dabei zu helfen, die Teenager darauf vorzubereiten und dabei zu führen, wenn sie sich auf dieses neue und manchmal schwierige digitale Gelände begeben. Da Teenager selbst bestimmen, wer sie einmal werden, können wir entweder für sie da sein, als ein Wegweiser und ihnen dabei helfen, die Auswirkungen eines Posts zu erkennen, bevor sie ihn posten, oder wir können sie alleine aufbrechen lassen, mit realen und möglicherweise langwierigen Konsequenzen. Es gibt Fälle, wo Teenager erfolgreich einschritten, um eine Tragödie zu verhindern. Aber es gibt auch die traurigen Geschichten, in denen Jugendliche sich oder andere verletzten. Teenager werden nicht aus Versehen oder spontan lernen, ethisch oder verantwortungsbewusst zu sein. Ohne bewusste Anstrengung unsererseits wird uns die Chance entgehen, die Teenager dabei zu unterstützen und zu führen, wenn sie ihre Gewohnheiten und Erwartungen für Online-Interaktionen entwickeln. Wenn sich Eltern und Schulen nicht mit den Jugendlichen hinsichtlich der Social Media auseinandersetzen, dann entgeht ihnen die Chance, den Jugendlichen dabei zu helfen, die Fähigkeiten zu erwerben und die emotionale Stärke zu entwickeln, die sie brauchen werden, um in unserer zunehmend digitalen Kultur bestehen zu können. Es ist unsere Aufgabe, den Teenagern die Fertigkeiten und Kompetenzen beizubringen und die Wege aufzuzeigen, die sie in ein erfülltes Leben führen, das reich an Chancen ist. Wenn wir den Teenagern die positiven und negativen Seiten der Social Media aufzeigen und ihnen unsere auf Wissen basierenden Erwartungen bezüglich des Verhaltens im Internet vermitteln, dann können wir für sie online wie offline ein Unterstützungsnetzwerk aufbauen. In zukünftigen weiteren Artikeln werde ich über bewährte Maßnahmen für Eltern und Schulen berichten, um sie in ihrem Bemühen zu unterstützen.

Marsali Hancock

Marsali Hancock ist Gründungspräsidentin und Vorstandsvorsitzende von iKeepSafe.org, einem internationalen Netzwerk mit mehr als 100 politischen Entscheidungsträgern, Erziehern, Mitarbeitern von Strafverfolgungsbehörden, Technikexperten und Anwälten, die sich in dem Bestreben zusammengeschlossen haben, den Auswirkungen und Effekten von mit dem Internet verbundenen Geräten auf Jugendliche nachzugehen. Für ihre herausragenden Leistungen wurde sie 2009 mit dem FOSI Award Weiterlesen ...